Haiti (1989-2009)

Meine erste Reise nach Haiti erfolgte im Januar 1989. Meine Schwester hatte ein Baby aus Haiti adoptiert. Mein Vater wollte den Ursprung dieses Mädchens kennenlernen und suchte einen Begleiter. Ich hatte Zeit und Muße und begleitete ihn auf dieser Reise.

Anschließend besuchte ich die nächsten Jahre regelmäßig diese faszinierende Insel und lernte viele unterschiedliche Menschen kennen. Meine Eindrücke habe ich in Kurzgeschichten und Reiseberichten festgehalten.

Als Fazit über Haiti möchte ich einen Menschen aus Kanada zitieren, der nach Haiti kam, um hier seinem Leben ein Ende zu setzen. “Haiti”, so sagte er mir, “ist so weit weg von Kanada, dass niemand in Kanada an einen Selbstmord glauben würde”. Doch er musste feststellen, dass in Haiti ein so seltsames Flair in der Luft liegt, dass alle Selbstmordgedanken von ihm wichen. Er blieb drei Jahre in diesem Land und gesundete an Körper, Geist und Seele.


Auf dem Bildermarkt vor dem Hauptpostamt
Tausende von farbenprächtigen Bildern werden in Haiti überall angeboten

Bericht erschienen in der Allgemeinen Zeitung (Uelzen)

Tips fürs Kennenlernen der Insel
So offenbart sich Haiti dem aufgeschlossenen Gast

Vergessen Sie alles, was Sie bisher über Haiti gelesen und gehört haben. Denn die meisten Verfasser von Reiseberichten sind, wenn überhaupt, im Düsenjägertempo in Port-au-Prince gelandet, haben ein paar Tagestouren ins Landesinnere, Fotos von Strand, Sonne, schönen Frauen gemacht und sind wieder weggejettet. Glauben Sie, dass diese Menschen erfahren haben, was den wirklichen Reiz von Haiti ausmacht?

Wer Sonne und Partys sucht,  der sollte lieber nach Spanien fahren; wer weißen Strand und warmes Wasser will, findet dieses ebenso gut in Jamaika - und wer Einsamkeit sucht, ist in Haiti sowieso fehl am Platze: Haiti gehört zusammen mit China zu den dichtbesiedelsten Ländern dieses Erdendorfes. Und die sehenswerten alten Bauwerke und Kirchen sind in einem schlechten Zustand, das Kunstmuseum in der Hauptstadt ist lieblos und kühl eingerichtet, Kathedralen gibt es in Europa viel schönere.
Nein, auch für Besichtigungstouren ist Haiti nicht besonders gut geeignet.
Aber es gibt andere Möglichkeiten! Doch diese Möglichkeiten zu nutzen, das erfordert Mut und Selbstbewusstsein. Zum Beispiel die Fahrt in einem (überfüllten) Tap-Tap.

Wer eine solche Reise einmal mitgemacht hat, zusammengepfercht mit fünfzig anderen in einem Kleinbus, dem wird danach das Warten in einer überfüllten Arztpraxis wie ein harmloses Vergnügen vorkommen.
Hebammen würden bei ihren haitianischen Kolleginnen viel Neues lernen: ein Kompass zum Beispiel, auf den Bauchnabel einer Frau gelegt, zeigt eine eventuelle Schwangerschaft sicher an: die Nadel beginnt zu „tanzen", das heißt, sie vibriert an ihrer Spitze.
Manches andere gibt es zu erleben: Das Bearbeiten des Kaffees, eine Kanufahrt in selbstgebauten Einbäumen, das Mahlen des Rapadu (Zuckerrohr), das Flechten von Matten und vielerlei andere handwerkliche Tätigkeiten, die wir nicht (oder nicht mehr) kennen.
Doch um all dies erleben z können, wollen die Menschen in Haiti angesprochen und in ihrer häuslichen Umgebung aufgesucht werden. Sein eigenes Ego sollte der Gast ein wenig zurückstellen und auf die anderen horchen. Ich weiß, das fällt vielen schwer, aber mit etwas gutem Willen ist es für ein paar Wochen doch zu schaffen.
Wer Gelegenheit hatte, haitianischen Alltag im Familienkreis mitzuerleben, dem wird sein Urlaub unvergessen bleiben. Oder wissen Sie heute noch, was Sie vor vier Jahren im Urlaub gemacht haben?


Dieses Tap-Tap fasst 20 Menschen
Wers nicht glaubt muss kommen!


Madam Orpha Andrevil
Meine Meinung:
Die beste Hebamme der Welt (aber auf jeden Fall eine sehr, sehr gute)